Wenn man mal kurz schlucken muss
Frühmorgens. Ankunft an der Location. Das Fahrrad wird aus dem Transporter geholt. Unser Model reißt die Augen auf: “Ich soll auf dem Ding aber nicht fahren, oder?”
Was ist passiert? Eine aufwändige Fotoproduktion für ein “Keyvisual”. Eine große Kampagne mit zig Begleitmedien. Klar: Da brauchen wir ein glaubwürdiges Model mit extrem guter Ausstrahlung. Also machen wir ein Livecasting. Jede Menge Leute schauen wir uns an, und weil man ja nie wissen kann, fragen wir jede und jeden: Kannst du gut und sicher Fahrrad fahren? Nur bei einer einzigen Person haben wir das wohl vergessen. Und die steht jetzt vor uns! Jetzt, wo alles und alle gebucht sind, wo die Kosten laufen. Wo wir loslegen müssen, weil das Licht sonst abhaut.
Zum Glück hat jeder Tag zwei Hälften. Also schauen wir in aller Eile nochmals durch die Modelauswahl. Der Produktionsmanager telefoniert mit der Agentur. Und tatsächlich: Wir können noch auf die Schnelle ein Alternativmodel für den Nachmittag buchen.
Was machen wir in der Zwischenzeit? Dumm rumstehen, unser nicht fahrradtaugliches Model nach Hause schicken? Zu blöd. Lass uns einfach mal ein bisschen was probieren. Stylistin und Visagistin gehen ans Werk. Wir machen das Rad fertig, suchen die beste Perspektive. Und da die junge Frau, die wir ausgewählt haben, definitiv nicht Fahrrad fahren kann, schiebt sie das Rad eben. So, als wäre sie gerade angekommen oder als wollte sie gerade losfahren. Geht halt nicht anders, und wir fühlen uns nicht ganz so nutzlos. Am Nachmittag entstehen dann wirklich gute Fotos mit dem fahrradfahrenden Alternativmodel. Da kann man nicht meckern. Prima gelaufen.
Rate mal, welches Motiv schließlich das Keyvisual der Kampagne wurde? Richtig. Das mit dem nicht fahrradtauglichen Model. Gut, dass wir sie nicht nach Hause geschickt haben. Und gut, dass wir uns nicht lang geärgert, sondern nur kurz geschluckt und uns dann ganz schnell mit der Situation angefreundet haben!