Hör auf, es besser zu wissen!

“Wenn mir jemand ein Problem schildert, kommen mir gleich eine ganze Reihe von Ideen in den Sinn, die nur so aus mir raussprudeln”, sagte gestern ein Freund, den ich für einen begnadeten Leiter halte. Kennst du das Phänomen? Was tust du dagegen? Oder hältst du diese Fähigkeit für eine persönliche Stärke, die es gnadenlos auszuspielen gilt?

“Ich mache keinem Menschen einen Vorschlag, der mich nicht glaubhaft davon überzeugt hat, dass ihm selbst die Ideen ausgegangen sind”, notierte ich mal in meinem sketchbook. Und zwar in der Rubrik “ab morgen”, die selbstironisch sagen will: Das kriege ich heute noch nicht hin. Positiv gesehen: Jeder Tag bietet neue Chancen, das zu trainieren.

Wenn ich mich schon damit anfreunde, dass ich nicht alles besser kann, so will ich doch wenigstens an den entscheidenden Stellen die Duftmarke setzen, dass ich es besser weiß! Woher soll denn sonst mein Selbstwertgefühl als Leiter_in seine Nahrung beziehen?

Wo sind diese “entscheidenden Stellen”, an denen sich dieser tief sitzende Wunsch in den Vordergrund drängt? Drei fallen mir ein.

Erstens: Du sitzt in deinem Büro. Vielleicht an einer Aufgabe, mit der du nicht recht vorankommst. Plötzlich steht Arne (der dir fachlich überlegen ist) in der Tür und schildert dir ein Problem. Statt ihm Fragen zu stellen, die ihm helfen, einen Schritt zurückzutreten und die Lösung selbst zu finden, präsentierst du ihm reflexartig drei nahezu geniale Lösungsideen. Tut dir irgendwie gut, und Arne ist dir sogar noch dankbar. Was will man mehr?

Zweitens: eine Besprechung mit Leuten aus mehreren Bereichen. Mit Leiter_innen, mit denen du dich insgeheim vergleichst. Vielleicht auch jemand aus der Geschäftsführung. Wie fühlt es sich an, wenn jemand aus deinem Team in dieser Situation einen entscheidenderen Beitrag bringt als du? Wenn es sich gut anfühlt und du es schaffst, nicht noch nebenbei dein Label draufzukleben, ziehe ich den Hut vor dir.

Drittens: Du willst den Kunden ja nicht verwirren. Deshalb vertrittst du das Prinzip “One face to the customer”. Und wessen face ist das? Natürlich deins. Klar. Willst du wirklich dem Kunden damit dienen? Willst du dich wirklich “vor dein Team stellen”? Stell dich doch mal hinter dein Team! Biete den Teammitgliedern die Chance, vor dem Kunden zu glänzen. Mit dem, was sie besser können als du. Du wirst es nicht bereuen. Versprochen!

 
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Du kannst nur vertrauen.

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Hör auf, es besser zu können!